Unglück Im Wangerland: Tiefe Trauer nach Segel-Tragödie

Bei dem Unglück auf der Außenjade verlor eine 48-Jährige aus Leer ihr Leben. Fachleute versuchen, den Unfallhergang zu rekonstruieren.

Wangerland Bei den Seglern des Jade-Reviers herrschen tiefe Betroffenheit und Trauer über den dramatischen Seenotfall, bei dem am Sonntag eine 48 Jahre alte Frau aus Bingum (Leer) ums Leben gekommen ist. Bei der Segelkameradschaft Horumersiel (SKHS) hängen die Flaggen auf Halbmast. Die Segler sind geschockt über das tragische Unglück ihrer Segelfreunde.

Die tödlich verunglückte Frau hinterlässt zwei Söhne und ihren Mann. Ihre drei 55, 28 und 26 Jahre alten Mitsegler, darunter der Skipper des Jollenkreuzers, konnten gerettet werden und waren unterkühlt ins Krankenhaus gebracht worden.

Laut ersten Ermittlungen der Wasserschutzpolizei war der Jollenkreuzer aus Horumersiel mit den vier Seglern an Bord vermutlich durch starke Windböen auf der Außenjade zwischen Horumersiel und Hooksiel durchgekentert. Zum Zeitpunkt der Havarie gab es auf der Jade Nordwind der Stärke 5 mit eineinhalb Meter hohen Wellen bei ablaufendem Wasser.

Noch keine Einzelheiten

Zum Unfallhergang sind offiziell noch keine Einzelheiten bekannt. Laut Seglern aus dem Revier soll die erfahrene Crew unter Spinnaker in eine schwere Böe geraten sein. Dabei kam es wohl zu einem so genannten Sonnenschuss. Sonnenschuss nennen die Segler die spontane Richtungsänderung eines Segelboots nach Luv, die durch Ruderlegen nicht verhindert werden kann. Dabei kenterte der Jollenkreuzer durch. Das zehn Meter lange Segelboot trieb kopfüber auf See – das Schwert war in den Kasten gerutscht.

Anders als bei Kieljachten, die so gut wie nie durchkentern, neigen Jollenkreuzer genau wie Jollen aufgrund ihrer anderen Gewichtsverhältnisse zum Kentern. Kippt das Boot und das Segel wird unter Wasser gedrückt, dreht sich der Rumpf komplett.

Laut DGzRS – die Seenotretter der DGzRS in Hooksiel waren mit dem Seenotrettungskreuzer „Bernhard Gruben“ und dem Tochterboot „Johann Fidi“ rund zehn Minuten nach Meldung der Havarie durch einen Beobachter von Land aus vor Ort – konnten sich beim Kentern drei der Segler auf den Rumpf des Boots retten. Die Frau trieb reglos im Wasser – unerreichbar für ihre Segelkameraden.

Die sofort eingeleiteten Wiederbelebungsversuche der Seglerin an Bord der „Johann Fidi“ blieben erfolglos.

Mitsegler unter Schock

Der Skipper des Jollenkreuzers und seine Mitsegler stehen unter Schock. „Das ist eine furchtbare Tragödie“, meint ein Vereinskamerad des Eigners: Selbst wenn es ein tragischer Unfall war, werden sich die Segler und insbesondere der Skipper wohl immer Vorwürfe machen.

Das havarierte Boot wurde am Sonntag vom Seenotrettungsboot „Baltrum“ der Freiwilligen-Station Horumersiel auf den Haken genommen und aus dem Gefahrenbereich geschleppt. Der Jollenkreuzer wurde weg vom Jadefahrwasser an der Wattkante zur Bergung vor Anker gelegt.

Die Wasserschutzpolizei Wilhelmshaven hat die Ermittlungen zur Aufklärung der Unglücksursache aufgenommen.