Ausgepowert auf der Alster

Beim Finale der Segel-Bundesliga verteidigt der Bayerische Yacht-Club seinen zweiten Platz im Gesamtklassement und landet damit weit vor seiner lokalen Konkurrenz aus Tutzing und Starnberg.

Die große Party? Kommt. Es gibt ja einiges zu feiern für den Bayerischen Yacht-Club (BYC), sagt Ilja Wolf, der seit 29 Jahren Manager und Trainer ist, und „so ein erfolgreiches Jahr wie dieses noch nie erlebt“ hat. An erster Stelle steht natürlich der zweite Platz in der Segel-Bundesliga, jenem Format, dessen Niveau sich seit seiner Einführung im April 2013 beständig nach oben entwickelt hat und mittlerweile zu den hochkarätigsten Wettbewerben weltweit zu zählen ist. Ende September etwa platzierten sich drei deutsche Teams unter den ersten sechs der Champions League. Neuer und alter deutscher Meister ist der Norddeutsche Regattaverein (NRV), die Hamburger gewannen den Titel souverän, Bronze ging an den Württembergischen Yacht-Club. Der BYC war der Klasse des Titelträgers zwar noch nicht ganz gewachsen, ist dem Rest des Feldes aber ebenfalls ein großes Stück entrückt, was er mit Rang zwei auf der Außenalster eindrücklich bestätigte.

Es gibt indes weitere gute Gründe für eine „große Sportparty“, wie Wolf bekräftigt: den deutschen Titel in der J70-Klasse für die Brüder Philipp und Julian Autenrieth, in der 420er-Klasse führen drei Teams des BYC die Rangliste an – und natürlich den Nachwuchs. Die Junioren standen in der Bundesliga ganz oben auf dem Siegertreppchen, dieser deutsche Meistertitel ist gleichzeitig ein deutlicher Fingerzeig in die Zukunft. „Es wäre ja falsch zu sagen, wir wollen nicht deutscher Meister werden“, sagt Wolf, aber man werde es „ruhig angehen“. Vieles wurde richtig gemacht, erklärt der Teammanager, „aber nicht alles“. Weshalb nun „sauber analysiert wird, um zu schauen, was wir besser machen können“. Wolf nennt die Zusammenstellung der Teams sowie die Optimierung des Trainings. Der NRV etwa trainiere einmal pro Woche, was angesichts der doch teils weiteren Anreisen einiger Segler beim Bayerischen Yachtclub nicht einfach zu organisieren sei. Zudem habe man „festgestellt, wie die einzelnen Teams zusammen funktionieren“, sagt Wolf, diese wertvollen Erkenntnisse werde man beim Angriff auf den Titel berücksichtigen.

Gute Fernsicht: „Zum Schluss sah man die Beleuchtung Hamburgs, aber nicht mehr das Ufer.“

Auch der Deutsche Touring Yacht-Club (DTYC) hat wichtige Einblicke in dieser Saison gewonnen, wenngleich diese weniger schön sind als beim Starnberger Konkurrenten. Die Tutzinger haben ihre bislang schlechteste Bundesligasaison gesegelt, freilich konnte die Crew mit einem feinen ersten Tag beim Finale in Hamburg schnell alle Befürchtungen bezüglich des Klassenerhalts beseitigen. Bei „grenzwertigen Bedingungen“, wie Teammanager Maximilian Weiß berichtete. Denn die Gastgeber ließen bis tief in die Dämmerung segeln, „zum Schluss sah man die Beleuchtung Hamburgs, aber nicht mehr das Ufer“, so Weiß. Doch die DTYC-Crew fiel am zweiten Tag ab, ein Einbruch, der stellvertretend für die ganze Saison steht. „Wir hatten einfach keine Konstanz“, analysierte Weiß, was für die kommende Saison eine „andere Herangehensweise“ mit sich bringen werde. Der komplette Kader und die beiden Teammanager Weiß und Patrick Follmann werden sich demnächst besprechen, was es in Sachen Teamzusammenstellung zu ändern gelte. „Vielleicht werden wir Pärchen bilden“, so Weiß, oder intensiver mit feststehenden Teams üben, das werde die Analyse ergeben. Klar ist bereits, dass fehlende Harmonie und Eingespieltheit der Teams die Hauptursache für das schwache Abschneiden sind. Platz zwölf in Hamburg wie in der Gesamtwertung jedenfalls entsprechen dem Selbstverständnis des zweimaligen deutschen Meisters gar nicht, der bisher als einziges deutsches Team die Champions League gewonnen hat.

Michael Liebl hingegen zog ein positives Fazit, der Münchner Yacht-Club (MYC) belegte im letzten Rennen Rang neun und platzierte sich damit im Gesamtranking direkt vor den Tutzingern. „Es war eine solide Leistung“, resümierte der Teammanager für das Finale Hamburg, „es war schnell klar, dass wir nicht gefährdet sind.“ Liebl sieht den Klassenerhalt für „unseren kleinen Klub“ als weiteren Erfolg an, „wir sind zufrieden, dass wir im kommenden Jahr wieder in der ersten Liga mitsegeln“. Das ständig wachsende Niveau in diesem elitären Kreis allerdings ist Anlass genug, „uns stetig zu verbessern, um auch weiterhin so gut mithalten können“. Wobei auch der MYC auf eine erfolgreiche Jugend blicken kann, der Nachwuchs belegte in der Junioren-Bundesliga den hervorragenden zweiten Platz. Auch darauf gelte es, den Fokus zu legen, so Liebl – „in der neuen Saison unsere guten Nachwuchssegler in die Bundesligamannschaft einzubauen“. Vielleicht könne man dann den Anschluss an die Spitze schaffen, auch Liebl gesteht dem NRV und den Kollegen des BYC zumindest in dieser Saison eine Sonderrolle zu. „Die haben schon einen deutlichen Abstand zum Rest, aber dann folgt ein breites Mittelfeld.“ Da will man anknüpfen, am besten schon am ersten Spieltag der kommenden Saison, denn da wird der Münchner Yacht-Club Gastgeber sein.