Segel-Olympiakandidaten hängen in der Luft

Nichts Genaues weiß man nicht: Simon Diesch (r.) und Philipp Autenrieth sind noch nicht für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert. Unter Umständen kann sich das Auswahlverfahren noch bis Juni 2021 hinziehen.
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Die 470er-Segler Simon Diesch und Philipp Autenrieth vom Bayerischen Yacht-Club sind noch nicht für Olympia qualifiziert. Wegen Corona sind die Ausscheidungsrennen ausgesetzt. Aber zumindest können sie wieder auf dem Wasser trainieren.

Starnberg–Die Fragen bleiben, auch wenn Simon Diesch und Philipp Autenrieth seit April wieder auf dem Wasser trainieren können. Noch weiß die Segelcrew aus dem Württembergischen beziehungsweise dem Bayerischen Yacht-Club nicht, wie sie im nächsten Jahr nach Tokio gelangen soll. Der Deutsche Segler-Verband hatte für dieses Frühjahr eigentlich drei Ausscheidungsregatten vorgesehen, die wegen der Corona-Pandemie alle gestrichen werden mussten. Inzwischen ist der DSV wieder zuversichtlich, die nationale Qualifikation bei den 470ern noch in diesem Jahr abschließen zu können. Als mögliche Termine kommen die Europameisterschaft vom 12. bis 19. September in Hyères und die Weltmeisterschaft vom 2. bis zum 10. Oktober auf Mallorca infrage, sollte es in den betreffenden Ländern bis dahin wieder möglich sein, größere Sportveranstaltungen durchzuführen. „Es ist alles offen, nichts entschieden“, stellt das Team fest. Zum weiteren Prozedere gibt es von den Verantwortlichen noch keine klaren Aussagen.

Keine Lösung wurde bisher erzielt, was den Nationen-Startplatz bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio betrifft. Die deutschen Männer haben im 470er noch nicht das Ticket gelöst und wünschen sich Klarheit. Die Klassenvereinigung hat die EM oder WM als Alternativen ins Spiel gebracht. Doch World Sailing drückt sich bisher um eine Antwort. Selbst das Internationale Olympische Komitee sieht keinen Grund zur Eile. Theoretisch wäre Zeit bis Juni 2021, um die Kandidaten zu nominieren.

Bei so viel Ungewissheit ist es hilfreich, dass Diesch und Autenrieth wieder auf dem Wasser arbeiten können. Seit Ostern trainieren die beiden Süddeutschen in Kiel. „Am Anfang haben wir vor allem Manöver geübt und an der Technik gefeilt, um wieder das richtige Gefühl für den 470er zu bekommen“, erläutert das Duo sein Programm. Es bestand aber auch die Möglichkeit, in Sachen Equipment ins Detail zu gehen. Die Crew hat Segel, Masten und Schwerter genau vermessen und die Daten mit der Bootsgeschwindigkeit abgeglichen. Und das Fazit fiel positiv aus: „Die Messungen haben uns geholfen, ein besseres Verständnis zu entwickeln, was miteinander kombiniert werden kann.“

Auch insgesamt ist die Lagebeurteilung trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gar nicht so deprimierend. In Kiel hat sich nicht nur eine gemeinsame Trainingsgruppe von sechs Teams gefunden, auch die Zusammenarbeit mit den Trainern gestaltete sich überraschend gut. „Bei einem Blick über die Landesgrenzen stellen wir fest, dass wir momentan im internationalen Vergleich gar keine so schlechten Trainingsmöglichkeiten haben“, konstatierte das Team. Jetzt müsste nur noch das Regatta-Segeln wieder möglich sein.