Calvörder Kapitäne hissen die Segel

Leben zieht langsam wieder in den Calvörder Sportboothafen ein. Die Freizeitkapitäne konnten den Start nach dem Winter und nach der Corona-Pandemie kaum erwarten
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Obwohl der Sportboothafen des Wassersportvereins Calvörde noch nicht für die Öffentlichkeit freigegeben ist, sind Wassersportler fleißig.

Calvörde l Als die Freunde des Wassersportvereins Calvörde sich nach der Winterpause treffen, riecht es schon ein bisschen nach Freiheit. Den Winter über hatte so mancher Freizeitkapitän genug zu tun, um sein Boot für die Saison 2020 fit zu machen. Dabei wächst die Sehnsucht nach der Freiheit auf dem Wasser. Doch zuvor hieß es in scheinbar endlosen Stunden am Boot hier und da schleifen, entrosten, spachteln und pinseln.

Der Sportboothafen mit seinen 26 Anliegerplätzen ist für die Calvörder ein Fenster zur großen weiten Welt. Der Hafen existiert seit nunmehr sieben Jahren. 2019 haben dort 674 Freizeitkapitäne auf Booten oder Urlauber in Wohnmobilen übernachtet. Für 2020 ist der Bau eines Bootshauses geplant. Bedingt durch die Corona-Pandemie waren auch die Calvörder Wassersportler gezwungen, alle Aktivitäten auf dem Hafengelände am Ufer des Mittellandkanals und auch auf dem Wasser zu unterlassen.

Aus den Reiseideen wurde nichts

Besonders bitter war dies für Ingo und Renate Blobel-Lüer. Sie hatten sich vor zwei Jahren ein Sportboot in Schleswig-Holstein gekauft. „2018 haben wir noch ein paar Fahrten gemacht. Dann kam der erste Winter, indem wir uns sofort dran gemacht hatten, das Boot für 2019 vorzubereiten“, erzählt Ingo Lüer. Eine plötzliche Krankheit machte dem Calvörder alle seine Kapitänspläne zunichte. Die Arbeiten mussten pausieren. „2019 kam unser neues Boot überhaupt nicht ins Wasser. Deshalb freuten wir uns, 2020 endlich wieder die Flüsse und Seen bereisen zu können“, denkt der 51-Jährige zurück. Und dann kam das Corona-Virus mit all seinen Beschränkungen und Verboten. „Nun schien uns eine unsichtbare Macht, wieder einen Strich durch unsere Rechnung zu machen“, erinnert sich Renate Blobel-Lüer.

Stück für Stück kehrt wieder das Leben in den Sportboothafen zurück. Nachdem nun die ersten Corona-Erleichterungen bekannt gegeben wurden, musste im Hafen erst einmal für Ordnung gesorgt werden. Hansjoachim Schumann, der Vorsitzende der Calvörder Wassersportler, rief zum Arbeitseinsatz auf. Die Mission war es, dem Hafengelände wieder ein einladendes Aussehen zu verpassen. Hauptsächlich galt es, jede Menge hochgewachsenes Grünes zu mähen. Die „Kapitänsfrauen“ kümmerten sich um einen neuen Anstrich für die Bänke. „Wir wollen schließlich im Sommer, wenn es dann wieder möglich ist, grillen“, blickt Heidrun Palm voller Zuversicht voraus. Auch ihr Gatte Lutz Palm steuert ein Motorboot.

Kapitäne warten auf erste Ausfahrt

Inzwischen sind die Sportboote im Wasser des Kanals. Alle Freizeitkapitäne und deren Crews warten auf die erste Ausfahrt. Für Ingo und Renate Blobel- Lüer ist es ein ganz besonderer Moment. „Fast zwei Jahre lang sind wir nicht mehr mit der Hove – was Hoffnung bedeutet – gefahren“, sagt Ingo. Die Freude über eine kleine Spritztour ist beiden anzusehen. Der Glanz in ihren Augen gleicht dem Glitzern der Sonne, die sich im Wasser spiegelt.

Vom Ufer aus winken Calvörder den Bootsleuten zu. Und bevor es wieder in den Hafen geht, schnell noch bei einer Vorbeifahrt den Blick auf den Calvörder Heimathafen vom Wasser aus genießen. Ihre Freiheit kosten die Wassersportfreunde wegen der Corona-Zeiten mit Augenmaß aus. Auch an Bord gelten – gleichermaßen wie an Land – die Kontaktbeschränkungen.

Pläne für die Öffnung des Hafens

Lüer, der auch stellvertretender Vorsitzender ist, betont, dass der Hafen noch nicht für die Öffentlichkeit geöffnet ist. Der Vorstand muss – nach seinen Ausführungen – erst einmal in Ruhe klären, wie die Öffnung vonstatten geht und vor allem, wie die Auflagen für die vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln umgesetzt werden können. Anfragen von Interessierten für Bootstouren seien auf jeden Fall schon da. „Freiheit heißt nicht nur Selbstverwirklichung, sondern bedeutet auch Verantwortung“, weiß Lüer.