Atlantik-Passage: Greta Thunberg segelt mit “La Vagabonde”

Greta auf der Vagabonde. Mit Profi-Skipperin Nikki Henderson (2.v.r.)

 
 
 

Die 16-jährige Klima-Aktivistin Greta Thunberg passiert den Atlantik erneut per Segelboot. Nachdem die Weltklimakonferenz weniger als drei Wochen vor dem Beginn von Chile wegen politischer Unruhen nach Madrid verlegt worden war, musste die Schwedin ihre Pläne ändern und kurzfristig eine Mitfahrgelegenheit nach Europa suchen.

Da sie aber vorbildlich klimaneutral unterwegs sein will, gingen ihr mit fortschreitender Zeit die Optionen aus. Auf der Hinfahrt nach New York hatte sie noch die Hilfe von Boris Herrmann angenommen. Und die große Aufmerksamkeit für ihren ersten Segeltörn war hilfreich für die Verbreitung ihrer Botschaft. Aber Herrmann weilt gerade mit “Malizia” nach dem Abschluss der Transat Jacques Vabre Regatta in Brasilien und musste ihrer Anfrage eine Absage erteilen.

Nun hat Thunberg aber eine andere Rückreisemöglichkeit über den Atlantik gefunden. Sie nimmt die Einladung des Segelpärchens Elayna Carausu und Riley Whitelum auf ihre “Vagabonde”an, deren Abenteuer SegelReporter seit fast sechs Jahren folgt.

Deutlich langsamer

Dabei dürfte Thunberg allerdings weitaus länger unterwegs sein, als mit “Malizia”. Der knapp 15 Meter lange Katamaran “La Vagabonde” – ein von der französischen Werft Outremer zur Verfügung gestellter 45-Fuß-Fahrtenkatamaran – wird deutlich langsamer segeln. Herrmann hatte zwei Wochen benötigt, nun bleibt für die Reise vom US-Staat Virginia zurück nach Europa zweieinhalb Wochen Zeit – was kaum zu schaffen ist.

Am 2. Dezember will die Schwedin in Madrid sein. Ob sie wirklich pünktlich ist, sei aber nicht so wichtig. Es seien unzählige andere Aktivisten vor Ort, die dieselbe Botschaft wie ich überbringen. “Meine Stimme ist nicht unersetzlich.” Sie habe aber auch Spaß am Meer gefunden und freue sich auf die erneut Überfahrt. “Ich bin extrem dankbar für das Privileg, solche Dinge erleben zu dürfen.”

Sicher ist, dass die Überfahrt deutlich luxuriöser wird. Der Kat im Wert von gut einer Millionen Dollar hat diesmal sogar eine richtige Toilette – im Gegensatz zum “Malizia”-Eimer. Sie mag dieses Thema aber nicht so betont wissen. “Es gibt unzählige Leute auf der ganzen Welt, die keinen Zugang zu einer Toilette haben. Das ist nicht so wichtig.” Dennoch gibt sie zu: “Aber es ist schön, eine Toilette zu haben.”

Profi Skipperin angeheuert

Damit Thunberg sicher und schnell über den Atlantik kommt, verlässt sie sich nicht alleine auf die Segelkünste von Elena und Riley, die ihre Langfahrt “ohne einen Schimmer vom Segeln” erst 2015 begannen und zudem seit ein paar Monaten ihr Baby Lenny dabei haben.

Wo wurde die britische 26 Jahre junge Profi-Skipperin Nikki Henderson angeheuert. Im vergangenen Jahr hatte sie als jüngste Skipperin im Rahmen des Clipper Races eine 70 Fuß Yacht um die Welt geführt (Platz zwei). Mit an Bord wird auch wieder Thunbergs Vater Svante sein.

Die Schwedin hatte einen Aufruf per Twitter gestartet, und Angebote für eine Überfahrt per Segelyacht gesammelt. Eine umständliche Art der Fortbewegung, aber sie betont noch einmal den Grund: “Indem ich segele, will ich weiterhin die Tatsache unterstreichen, dass es in den heutigen Gesellschaften praktisch unmöglich ist, nachhaltig zu leben.”

Durch die Wahl der “Vagabonde” ist erneut eine große Außenwirkung garantiert. Denn die erfolgreichen Youtuber zählen inzwischen gut 1,2 Millionen Abonnenten auf ihrem Kanal. Elena und Riley bemühen sich schon länger, ihr Leben auf dem Katamaran so emissionsfrei wie möglich zu gestalten. Das Schiff ist mit Solarpaneelen und Hydrogeneratoren ausgestattet.