America’s Cup: Erste Flug-Bilder vom Team New Zealand

Der Kiwi-Cupper auf dem Cup-Revier vor Auckland

 
 
 

Die Bilder der rasenden neuen AC75 Cupper elekrisieren die Segelwelt. Nun zeigen auch die Neuseeländer, dass sie auf Anhieb fliegen können. Nick Holroyd, Chef-Konstrukteur vom Ainslie-Team INEOS, erklärt die Design-Strategien.

Zwei AC75 fliegen nun schon über das Wasser, und wie immer bei einer America’s-Cup-Klasse, die durch eine neue Regel definiert wird, gibt es Differenzen. Um die einheitlichen Foil-Arme und das Rigg herum haben die klügsten Köpfe der Yachtbranche Rümpfe konstruiert, die sich durchaus unterscheiden.

Dabei fällt bei den Kiwis insbesondere der “Buckel” unter dem Rumpf auf, während American Magic absolut gerade, flache Linien aufweist, wie bei einer Scow-Konstruktion. Die Amis legen großen Wert darauf, möglichst wenig aerodynamischen Widerstand in der Flugphase zu erzeugen. Den Neuseeländern soll die Verdickung am Unterwasserschiff beim schnelleren Überbrücken der Low-Rider-Phase helfen.

Beim Deck ist insbesondere die Zweiteilung des Kiwi-Bootes auffällig. Dabei wird das Großsegel bis auf den Steg heruntergezogen. Die Amerikaner haben noch einen konservativen Großbaum geriggt. Aber das muss längst nichts heißen. In diesem Bereich kann man noch nachrüsten.

Während die Italiener ihren Stapellauf um mehrere Wochen nun auf Anfang Oktober verschoben haben und auch die Briten bisher nur Zuschauer sind, erklärt Ben Ainslies Chef-Konstrukteur Nick Holroyd einige Überlegungen hinter den Design-Strategien.

Schmerzhafte Kompromisse

So weist er darauf hin, dass im Unterschied zu bisherigen Cup-Zyklen während der Regatta keine Änderungen mehr vorgenommen werden dürfen. Diesmal muss fünf Tage vor dem ersten Renntag die Konfiguration definiert sein, die im gesamten Cup beibehalten wird. Die Regatta ist für zehn Tage angesetzt. Insgsamt 15 Tage vor dem letzten Rennen muss man also die Entscheidung treffen, für welches Wetter das Boot optimiert wird.

Daraus folgt, dass die AC75 bei möglichen Leicht- oder Starkwind-Bedingungen funktionieren müssen. Das führt zu schmerzhaften Kompromissen, mit denen sich alle Designer beschäftigen.

Holroyd glaubt, dass die Rumpfformen durchaus sehr unterschiedlich sein können, und das wird von den beiden ersten AC75 bestätigt. Aber die grundlegenden Fragen werden alle Teams ähnlich beantworten. Der Windwiderstand der 11-köpfigen Crew muss gering sein, ihr Gewicht muss an den richtigen Stelle platziert werden, und die Segel müssen weit auf das Deck heruntergezogen werden, um den Endplatteneffekt zu nutzen.

Quick and Dirty

Die größten Unterschiede können durch verschiedene Lösungen zustande kommen, wie man möglichst früh die Flugphase erreicht. Bei den Riggs erwartet er eine große Ähnlichkeit. Entscheidende Unterschiede wird es bei der Bedienung geben.

Der Brite glaubt auch, dass die jeweils zweiten Boote der Teams noch große Veränderungen aufweisen können. Schließlich sei die Klassenregel erst am 1. April 2018 veröffentlicht worden, und nach nur viereinhalb Monaten Entwicklungsarbeit mussten die Linien bestimmt sein. Die aktuellen Boote seien eine Quick-and-Dirty-Interpretation der Box Rule.

Seit der Festlegung auf das Design für das erste Boot seien weitere neun oder zehn Monate vergangen. Die Computer-Tools wurden verbessert und viel mehr Daten gesammelt. Deshalb erwartet Holroyd bei der jeweils zweiten Version eine deutlichen Entwicklungssprung im Vergleich zum ersten Boot.