Auch deutsche Klimaaktivisten segeln über den Atlantik


 
 
 

Nicht nur Greta Thunberg reist per Segelboot nach Amerika. 36 junge Teilnehmer der Weltklimakonferenz segeln ebenfalls lieber über den Atlantik statt zu fliegen

Die Ankündigung der 16-jährigen Greta Thunberg, mit den Hochseesegel-Profis Boris Herrmann und Pierre Casiraghi auf dem Imoca 60 „Malizia“ zum UN-Klimagipfel zu segeln, um klimaneutral von Europa in die USA zu reisen, hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Neu ist die Idee indes nicht, den Atlantik lieber unter Segeln zu überqueren, statt in ein Flugzeug zu steigen.

36 junge Klimaaktivisten aus ganz Europa, darunter sieben aus Deutschland, wollen im Oktober mit dem Dreimast-Schoner „Regina Maris“ nach Südamerika segeln. Ihr Ziel ist die Weltklimakonferenz, die im Dezember in Santiago in Chile stattfindet. Um das Geld für die Charter des Windjammers und weitere Reisekosten aufzubringen, haben die Teilnehmer schon vor einem Jahr begonnen, Unterstützer zu suchen und Crowdfunding-Aktionen ins Leben zu rufen. Die momentane Aufregung um Greta Thunberg nutzen sie nun, um auch noch einmal verstärkt auf ihr Vorhaben aufmerksam zu machen.

Mit dabei ist unter anderem die 25-jährige Juristin Clara von Glasow. Sie hat bereits an den zurückliegenden Klimakonferenzen in Bonn und Kattowitz teilgenommen und wird in Santiago als Vertreterin der deutschen Organisation Klimadelegation e.V. dabei sein.

Auf die Frage, warum sie sich entschieden hat, die weite Anreise überhaupt und dann auch noch per Segelschiff auf sich zu nehmen, sagt sie: „Um zu zeigen, dass es möglich ist, emissionsarm weit zu reisen und um sicherzustellen, dass die Stimme der Jugend auf den Klimaverhandlungen gehört wird.“ Dank ihrer Reise mit dem Schiff würden die Teilnehmer pro Kopf rund 4700 Kilogramm CO2 – das entspricht einem Flug von Amsterdam nach Chile – einsparen.

Von Glasow: „Wir fordern die nationale Politik damit auf, den Flug- und Schiffssektor stärker in die Pflicht zu nehmen für ihre massiven Emissionen und den Flugsektor nicht mehr durch fehlende Steuern zu subventionieren.“ Stattdessen müsse ressourcenangepasstes Reisen attraktiver und bezahlbarer werden.

Die lange Zeit auf See wollen die jungen Leute, die überwiegend noch studieren oder gerade ein Studium abgeschlossen haben, nutzen, um gemeinsam Analysen und Lösungen für die Zukunft des Reisens zu erarbeiten. Das Schiff solle zu einem „segelnden Think Tank“ werden.

Wie viel Zeit ihnen unterwegs tatsächlich fürs Diskutieren und Analysieren bleibt, ist allerdings noch nicht ganz klar. „Das Schiff hat zwar eine Stammcrew von fünf Mann. Trotzdem werden wir natürlich auch in den Wachrhythmus einbezogen“, berichtet von Glasow. Abgesehen von zwei kürzeren Segelausflügen verfüge sie selbst, im Gegensatz zu vielen anderen ihrer Mitstreiter, noch über keinerlei Segelerfahrung. „Wir haben aber demnächst ein längeres Vorbereitungstreffen, auch, um uns auf den Törn vorzubereiten.“

Insgesamt ist die Seereise mit sechs Wochen veranschlagt. Von der niederländischen Küste aus geht es zunächst durch den Ärmelkanal und über die Biskaya zu den Kanaren und Kapverden. Dann folgt der mit neun Tagen kalkulierte lange Schlag nach Brasilien. Zielhafen ist Rio de Janeiro. „Von dort reisen wir per Bus weiter nach Chile“, sagt von Glasow.

Die „Regina Maris“ ist ein 1979 in Polen gebauter und 1991 grundüberholter 41 Meter langer Dreimast-Schoner mit Heimathafen Amsterdam. Das Schiff ist jedes Jahr zu Gast auf den großen Windjammertreffen wie der Hansesail und unternimmt regelmäßig Fahrten in europäischen Gewässern und bis nach Übersee.