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Segler treibt sieben Monate auf dem Ozean

Eigentlich wollte Zbigniew Reket von den Komoren nach Südafrika segeln. Dann ging alles schief. So trieb der Pole sieben Monate lang auf dem Ozean. Mit an Bord: ein Kater und Tütensuppen für 30 Tage.

Zbigniew Reket hatte eine verrückte Idee: Der polnische Seefahrer wollte mit einem selbst gebauten Segelboot von den Komoren bis nach Südafrika reisen. Doch der Törn klang wohl etwas einfacher, als er am Ende war: Reket geriet in Seenot.

Sieben Monate trieb er auf dem Ozean, bis er an Weihnachten von der Crew einer Jacht entdeckt wurde, berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. Sein manövrierunfähiges Gefährt wurde daraufhin von der Küstenwache in den Hafen der Insel La Réunion gezogen, wo er erstmals wieder festen Boden unter die Füße bekam.

Überlebt haben Reket und sein weißer Kater Samira, der als einzige Gesellschaft mit an Bord lebte, unter anderem dank chinesischer Tütensuppen. Eigentlich hatte er nämlich nur Proviant für einen Monat vorrätig. Ernährt haben sich die beiden deshalb von dem, was der 54-Jährige aus dem Meer angelte, und dem Regenwasser, das er auffangen konnte.

„Ich fühle mich jetzt besser, weil ich Brot gegessen habe“, sagte Reket in einem Interview mit „France Info“ nach seiner Ankunft im Hafen. Laut Polizei sei Reket zwar etwas mangelernährt, aber grundsätzlich bei guter Gesundheit. Eine Wohltätigkeitsorganisation versorgte ihn mit frischen Lebensmitteln und neuer Kleidung.

Rektes Irrfahrt hat nach seinen Angaben eigentlich schon schon viel früher begonnen. Nach zehn Jahren in den USA reiste er im Jahr 2014 nach Indien. Dort kaufte er ein ausgemustertes Rettungsboot, das zu einem Kreuzfahrtschiff gehörte, und baute es eigenhändig um. Sein Plan: nach Polen segeln.

Kurz nach dem Start in Richtung Indonesien, so berichtete er nach seiner Rettung, brach der Mast. Reket strandete auf den Komoren, wo die Reparatur des Bootes zwei Jahre in Anspruch nahm. Während jener Zeit soll er über die polnische Botschaft versucht haben, zurück in seine Heimat zu gelangen – erfolglos, berichtet auch die britische Zeitung „Metro“.

Als er endlich wieder in See stechen konnte, wurde das Schiff von großen Wellen getroffen und manövrierunfähig geschlagen. Mehrfach habe er zwar Land gesehen, erzählte Reket, aber die Strömung habe ihn immer wieder fortgerissen. „Wir trieben in Richtung somalische Küste, dann wieder an die Malediven heran, dann zurück nach Indonesien, dann nach Mauritius“, sagte der 54-Jährige. „Ich habe auch Schiffe gesehen, aber die Batterie meines Funkgerätes war leer.“

Viele können kaum glauben, dass Reket unter diesen Umständen so lange auf See allein überleben konnte. „Er hatte kein GPS, ein gebrochenes Ruder, einen Mast, der starken Winden nicht standhalten konnte“, sagte Alain Djeutang, der zuständige Seelsorger dem „Le Journal de l’île de la Réunion“. Auf dem Boot, so Djeutang, gab es „kein Bett, keinen Kühlschrank, keinen Strom, nur ein kleines Solarpanel“. Wenn die Geschichte des Polen stimme, sei das ein „Wunder“.

Wohin es den Abenteurer nun treibt, ist offen. Unklar ist auch, warum er nicht von Angehörigen als vermisst gemeldet oder gesucht wurde. In die USA darf Reket jedenfalls nicht mehr zurückkehren, weil seine Aufenthaltsgenehmigung ausgelaufen ist.

Die Polizei von La Réunion will den Vorfall untersuchen und das weitere Schicksal des Mannes klären. Zbigniew Reket deutete aber schon an, in La Réunion bleiben zu wollen: „Ich möchte ein normales Leben führen und einen Job finden. Warum nicht hier?“