Segeln: Im Wettbewerb mit Wind und Wellengang

Vom Weltrekord für die schnellste Weltumseglung nonstop Einhand bis hin zur Meisterschale für den NRV: 2017 war ein bewegtes Jahr für den Segelsport. Auch 2018 wollen die Segler auf Erfolgskurs bleiben – ein Überblick.

HamburgSelten war ein Jahr so voller Highlights unter Segeln wie das vergangene 2017: Vor Bermuda kämpften Regattacracks um den berühmten America’s Cup, die Segler des Volvo Ocean Race starteten zur härtesten Etappe durch den Südlichen Ozean, und François Gabart segelte in nur 42 Tagen nonstop alleine um die Welt. Auch im noch jungen Jahr 2018 läuft schon wieder das Volvo Ocean Race: Am 2. Januar sind die Hochseeprofis in Melbourne auf den 6.000 Seemeilen langen Weg nach Hongkong aufgebrochen. Das große Finale des Weltrennens ist Ende Juni in Den Haag. Die Segelsport-Highlights des vergangenen und des neuen Jahres im Überblick:

Deutscher Skipper beim Clipper Round The World Race 2017/18

Chris Kobusch, 32, aus Herford, nimmt als einziger deutscher Skipper am aktuellen Clipper Round The World Race, dem längste Amateurrennen der Welt, teil. Damit ist er der zweite deutsche Skipper in der mehr als 20 Jahre währenden Geschichte des Rennens. Sein Interesse an dem Rennen erwachte, als er während seiner Zivildienstzeit in Kapstadt ein Buch über die britische Segellegende Sir William Robin Knox-Johnston las – der hatte die Regatta 1995 initiiert.

Das Rennen, für das die Segler einen harten internen Auswahl- und Schulungsprozess durchlaufen müssen, hat bei der jüngsten Auflage aber wieder einmal gezeigt, wie gefährlich es ist. Auf der dritten Etappe von Südafrika nach Australien ging an Bord der „Great Britain“ der 60-jährige, sehr erfahrene Segler Simon Speirs bei einem Segelwechsel über Bord und ertrank. Die Ursache für das Unglück ist unklar, durch einen Lifebelt war Speirs dauerhaft mit dem Schiff verbunden. Auch bei der vorigen Auflage des Rennens waren trotz großer Sicherheitsvorkehrungen zwei Menschen tragisch ums Leben gekommen. Die einheitlichen 70 Fuß großen Yachten werden für das Rennen vom Veranstalter gestellt.

Chris Kobusch, der das nach der chinesischen Stadt „Qingdao“ benannte Schiff skippert, ist mit seiner Mannschaft derzeit in Australien. Der Start zur nächsten Etappe für die Flotte der zwölf Hochseeyachten ist am 5. Januar im tasmanischen Hobart zur australischen Inselgruppe Whitsundays. Die letzte große Atlantiketappe des Rennens wird am 25. Juni gestartet und führt ins nordirische Derry.

Kiwis holen sich den Cup zurück

Das Finale des 35. America’s Cup im Juni 2017 war lange nicht so nervenaufreibend wie das letzte vier Jahre zuvor, als sich die Segler des Emirates Team New Zealand den zum Greifen nahen Sieg nach einer dramatischen Aufholjagd noch vom Oracle Team USA entreißen ließen. Dieses Mal konnten die Segler vom Team Emirates New Zealand um Steuermann Peter Burling mit einem Endergebnis von 7:1 in den Finalläufen befreit jubeln: Das neuseeländische Team hatten die älteste Trophäe des Sports ist zurückerobert – und das Oracle Team USA deklassiert.

Inzwischen sind auch schon die ersten Pläne für den 36. America’s Cup bekannt: das Rennen wird nach drei Cup-Auflagen (2010, 2013 und 2017) nicht mehr auf zuletzt foilenden Katamaranen ausgetragen, sondern auf beeindruckend großen Einrumpfyachten von 75 Fuß Länge. High-Tech ist immer noch das beherrschende Thema des Designs, die Schiffe sind mit einem auffällig spitzen Bug und Foils ausgestattet. Die genauen Spezifikationen der knapp 23 Meter langen Boote sollen im März 2018 veröffentlicht werden.

Weitere Regularien, die bereits jetzt bekannt gegeben wurden: Pro Team sollen zwei Boote erlaubt sein. Die Vorregatten werden 2019 und 2020 ebenfalls vor Neuseeland ausgetragen. Und wer sein Schiff nur mit Segelprofis mit einem ausländischen Pass bestückt, darf nicht mehr mitspielen. Wie erwartet, haben die Kiwis eine Nationalitätenregel festgelegt. Mindestens 20 Prozent der Segler eines Cup-Teams müssen einen Pass des Landes oder ihren Hauptwohnsitz in dem Land haben, für das ihr Team startet.

Austragungsort soll nach Willen der segelverrückten Kiwis Auckland sein, Segelhauptstadt der Südhalbkugel. Mit einem Clip wurden nun die Pläne für den neu zu errichten Hafen im Wynyard Basin vorgestellt. Doch bevor gebaut werden kann, haben die Herausforderer deutlich gemacht, dass sie sich von der Stadt eine massive finanzielle Unterstützung versprechen. Andernfalls, so die unterschwellige Drohung, könne man das Segelspektakel ja auch in Italien austragen. Oder im Heimatland des Hauptsponsors, der Fluglinie Emirates.